Warum wir lieber kohärent sind

Neurobiologe Gerald Hüther beschreibt in seiner wunderbaren  Weihnachtsbotschaft 2018 u. a.  einfach und nachvollziehbar das Kohärenzprinzip:

„Der Zustand, in dem ein Gehirn, ein ganzer Mensch und auch eine menschliche Gemeinschaft am wenigsten Energie verbraucht, heißt Kohärenz. Der ist dann erreicht, wenn alles optimal zusammenpasst.

Unser Hirn strebt nach Kohärenz, Inkohärenz empfinden wir als stressig und unbequem.

Nun ist Kohärenz kein Dauerzustand, denn es gibt immer etwas im Leben, was uns herausfordert und erst einmal aus dem Gleichgewicht bringt.

„Solange wir noch am Leben sind, wird jeder einmal erreichte Kohärenzzustand auch zwangsläufig immer wieder in Frage gestellt. Es gibt immer irgendetwas, was diese Kohärenz stört. Das wird dann schnell unbequem, wir haben ein Problem, der bis dahin erreichte Ordnungszustand kommt durcheinander, die Nervenzellen beginnen unkoordiniert zu feuern. Arousal nennen das die Hirnforscher und das ist nur ein anderer Ausdruck für eine sich ausbreitende und viel Energie verbrauchende Inkohärenz.

Dann geht es uns nicht gut, wir beginnen nach einer Lösung zu suchen und wenn wir die finden und die Herausforderung bewältigen können, wird dieser inkohärente, energieaufwändige Zustand im Hirn wieder etwas kohärenter .“

Erfolgreiche Strategien, Kohärenz wieder herzustellen, lernen wir besonders leicht, weil sie über unser Belohnungssystem im Hirn verstärkt werden:

“ Die dabei freiwerdende Energie wird benutzt, um Zellgruppen im Mittelhirn zu aktivieren (die nennen die Hirnforscher gern „Belohnungszentrum“). Die dort freigesetzten Botenstoffe aktivieren ähnliche Netzwerke wie Kokain und Heroin, das erzeugt ein gutes Gefühl („Erfolgserlebnis“). Gleichzeitig stimulieren diese Botenstoffe die Freisetzung von Wachstumsfaktoren, also von Eiweißen, die wie Dünger auf Nervenzellen wirken und sie zur Neubildung von Fortsätzen und Kontakten anregen. So werden all jene Nervenzellverknüpfungen verstärkt und ausgebaut, die sich als geeignet erwiesen haben, diesen inkohärenten Zustand wieder etwas kohärenter zu machen. Wir haben also ein Problem bewältigt und die dabei aktivierten Vernetzungen im Gehirn sind dabei verstärkt worden. Deshalb klappt das so gebahnte Verhaltensmuster dann beim nächsten Mal schon deutlich besser.“

Das funktioniert für ungesündere Wege, sich zu regulieren, wie beispielsweise Zigaretten oder Alkohol, ebenso wie für gesündere Wege wie Spazierengehen, Singen, Tanzen – oder eben Herzkohärenztraining.